76 einhalb Tassen Wasser - oder: Wie fange ich einen Delphin?
76 einhalb Tassen Wasser

Paris 11/13 – Ich bin

Sprachlos.
Wortlos
fassungslos
fallen die Buchstaben heraus.
Ungeordnet liegen sie da.
Warten bis der Schock überwunden,
Tränen die Starre lösen und
Zuversicht und Lebensmut sie aufnehmen
und zu neuen Worten formen.
Freiheit.
Gleichheit.
Brüderlichkeit.

Freude. Liebe. Leben.

Paris 11/13 – Je suis
Liberté.
Égalité.
Fraternité.

La Liesse. L’Amour. La Vie.

Paris 11/13 – I am
Freedom.
Equalitiy.
Fraternity.

Pleasure. Love. Life.

© Grete B., 14.11.2015

 

Der Text zu Paris 11/13 entstand spontan am Morgen nach den schrecklichen Bildern aus der Nacht vom 13.11.2015 aus Paris. Nachts saß ich wie gelähmt vorm Fernseher und konnte die Bilder und Worte nicht wirklich aufnehmen. Mit offenem Mund, unfähig den Schreck, die Furcht und die Angst, das Leid und Mitgefühl, den Schock auch nur in irgendeine Silbe zu fassen. Unfähig, in dieser Nacht je wieder an Normalität zu glauben, fand ich, fanden wir, mein Mann und ich, dann doch Schlaf. Und kaum die Augen geöffnet, nistete sich die Wahrheit wieder ein und vertrieb den angenehmen Trugschluß, es könne doch ein schrecklicher Traum gewesen sein. Radio, Fernsehen und Zeitung ließen keinen Zweifel, Paris war traurige Wirklichkeit und das nur weniger als zwei Stunden entfernt von uns.
– Ein kleiner Rückblick: Im Jahr 2001 saßen viele von uns wohl ähnlich vor den Apparaten und konnten nicht glauben was sie sahen. Während der Berichterstattung, über die Ereignisse in New York am 11.9.2001, konnten wir live verfolgen, wie ein Flugzeug in das World Trade Center gesteuert wurde und die Türme einstürzten. Damals stellte ich mir ernsthaft die Frage, kann ich einfach so mein Leben weiterleben, wie ich es für die unmittelbar folgenden, und die in der fernen Zukunft, liegenden Tage geplant hatte, während auf der anderen Seite des Atlantiks so viel Schmerz herrscht? Die Antwort war letztendlich: Ja! Weil was nützt es, wenn wir zu Hause sitzen, den US- Amerikanern? Gar nix. Also war damals recht schnell klar, wir gehen zur Tagesordnung über und lassen die USA wurschteln, die machen ja eh was sie wollen und außerdem ist es weit weg. –
So saßen wir morgens am 14.11.2015 in dem Bewußtsein zusammen, dass 9/11 auf einmal vor unserer Haustür passierte. Ich wohne in einer Grenzregion Frankreich – Deutschland, muss mich plötzlich damit auseinandersetzen, was es bedeutet unter ausgerufenem Notstand zu leben und Grenzkontrollen wieder zu erleben. Anfreunden damit ist nicht möglich, es fühlt sich fremd an und irgendwie bedrohlich. Was ich seit 9/11 gelernt habe ist, das Leben geht weiter und es muss weiter gehen. Und so war sehr schnell die erste Starre überwunden, meine Gedanken zu Paris 11/13 aufgeschrieben, ein Lächeln aufgesetzt für meinen Mann und raus ins Leben gegangen für meine Freunde.

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